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25. November 2020

Bayerns Krankenhäuser inmitten der Pandemiebewältigung und vor strukturellen und digitalen Herausforderungen

Inmitten der zweiten Welle der Corona-Pandemie blickt die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG) im Rahmen ihrer Jahrespressekonferenz zurück auf die vergangenen Monate der Pandemie-Bewältigung.

„Die Mitarbeiter in Bayerns Krankenhäuser stellen auch in dieser besonderen Zeit eindrucksvoll unter Beweis, dass sie Enormes leisten können und im gegenseitigen Zusammenwirken für die Menschen in Bayern sorgen“ so der BKG-Geschäftsführer Siegfried Hasenbein in einem ersten Resümee nach über acht Monaten in der Corona-Pandemie.

„Unser ausdrücklicher Dank geht an das gesamte Personal in den bayerischen Krankenhäusern, an die Pflegekräfte, Ärzte und alle anderen Mitarbeiter, die in den vergangenen Monaten mit viel Engagement, Herzblut und vollem Einsatz für ihre Patientinnen und Patienten da waren“ so Hasenbein weiter.

Nach seinen Erfahrungen haben die Kliniken viel gelernt im Umgang mit der neuen Pandemie. Inzwischen wurden nicht nur Abläufe optimiert und entscheidende Rahmenbedingungen in den Kliniken verbessert. Die Krankenhäuser haben auch im Miteinander funktioniert. Kleinere Krankenhäuser nahmen den großen Schwerpunktversorgern immer wieder Patienten ab. Als in den ersten Wochen der Pandemie Schutzkleidung und verschiedenste Materialen knapp wurden, halfen sich Bayerns Kliniken untereinander aus und trugen gemeinsam Sorge für eine optimale Versorgung der Patienten.

„Aber nicht erst mit der zweiten Welle wird erneut klar, dass der Mangel an Fachkräften, explizit an spezialisierten Pflegekräften, die Achillesferse in unserem Gesundheitswesen ist“ so Hasenbein am Mittwoch im Münchner Presseclub.

Viel ist seitdem passiert. Neben dem finanziellen Bonus und anderweitig entgegengebrachte Wertschätzung für die Krankenhausbeschäftigten wurden die Kliniken beispielsweise mit Beatmungsgeräten und Infektionsschutzausrüstung sowie finanziellen Hilfen unterstützt.

„Aber wir kommen nun in eine schwierige Phase in der Pandemiebewältigung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, besonders die Ärzte und Pflegekräfte, sind längst am Limit angekommen und nicht unendlich belastbar“ so Hasenbein. Auch aus wirtschaftlicher Sicht kommen Bayerns Kliniken an ihre Grenzen. Die neuesten Regelungen im Dritten Bevölkerungsschutzgesetz um die sogenannten Ausgleichszahlungen frei gehaltener Krankenhausbetten ist aus Sicht der BKG praxisfern und gefährdet die im Frühjahr aufgebaute und bewährte Zusammenarbeit der Krankenhäuser bei der COVID-19-Versorgung.

Im Zuge der Pressekonferenz stellte sich auch der neue Geschäftsführer, Roland Engehausen, den Pressevertretern vor. Bereits Anfang Oktober startete Engehausen bei der BKG und wird ab 1. Dezember als BKG-Geschäftsführer die Nachfolge von Siegfried Hasenbein antreten.

Mit Roland Engehausen gewinnt die BKG einen erfahrenen Kenner des Gesundheitswesens. Vor seinem Wechsel nach München leitete er seit 2014 als Vorstandsvorsitzender die IKK Südwest, eine regionale Krankenkasse mit rd. 640.000 Versicherten in den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen. In seiner beruflichen Laufbahn war Engehausen, der u. a. Wirtschaftswissenschaften an der FU Berlin studierte, für verschiedene Krankenkassen tätig, darunter auch für die Siemens BKK in München. Er setzt sich seit Jahren für qualitätsorientierte Patientenversorgung und gute Beschäftigungsbedingungen im Gesundheitswesen ein und sieht dabei Chancen durch eine bessere digitale Vernetzung.

Auch das Augenmerk von Roland Engehausen ist derzeit auf die aktuelle COVID-19-Versorgung gerichtet: „Dank des großen Engagements in unseren Kliniken und ersten Therapie-Verbesserungen konnten die bisherigen Fallzahl-Steigerungen noch gemeistert werden und es besteht die Hoffnung, dass die Behandlungssteigerungen in den Kliniken durch die Lockdown-Maßnahmen abflachen werden. Aber wenn der Gesetzgeber nicht kurzfristig den finanziellen Ausgleich notweniger Freihaltungen für verschiebbare Behandlungen verbessert, werden viele Krankenhäuser, die sich bisher um die Behandlung von COVID-19-infizierten Patienten verdient gemacht haben, in eine wirtschaftliche Zwickmühle kommen, die die Versorgung in den nächsten Wochen gefährdet“ mahnt Engehausen.

Mit Blick auf die Zukunft betont Engehausen: „Als neuer Geschäftsführer der BKG möchte ich die bewährte Arbeit der vergangenen Jahre fortführen und im aktiven Austausch mit den BKG-Mitgliedern und unseren Partnern im Gesundheitswesen die großen Zukunftsthemen mitgestalten.“ Engehausen sieht dabei drei große Herausforderungen: „Erstens eine qualitätsorientierte und besser vernetzte Gesundheitsversorgung mit starken Krankenhäusern als wichtige Ankerpunkte. Zweitens eine auskömmliche Finanzierung der bedarfsnotwendigen Krankenhausstrukturen, ergänzt um eine solide Vorhalte-Grundpauschale. Und drittens die Stärkung der Gesundheitsberufe und den weiteren Ausbau der Aus- und Weiterbildung in der Pflege.“ 

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 Alle Interessierten können auf dem YouTube-Kanal des PresseClub München e. V. (https://www.youtube.com/channel/UC4FAgyjnUzZWeKCm-2C2TYQ) die Pressekonferenz noch nachträglich sehen.

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