Pressemitteilungen

23. April 2014

Krankenhäuser geraten immer mehr in Schieflage

Die finanzielle Lage der Krankenhäuser in Bayern verschlechtert sich weiter. Für das Jahr 2013 müssen 52 % der Kliniken ein Defizit ausweisen. Dies ist das alarmierende Ergebnis des „Bayerischen Krankenhaustrends“, mit dem die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG) jährlich die wirtschaftliche Lage und die Stimmung in den bayerischen Kliniken ermittelt.

Der negative Trend der letzten Jahre verstärkt sich und nimmt nach Aussage des BKG-Geschäftsführers Siegfried Hasenbein „ein besorgniserregendes Ausmaß“ an. Während im Jahr 2010 rund 20 % der Kliniken ein negatives Ergebnis zu verzeichnen hatten, hat sich dieser Anteil im Jahr 2013 mit ca. 52 % mehr als verdoppelt (2012: 46 %; 2011: 39 %).

Konnten im Jahr 2010 noch fast 80 % der Kliniken in Bayern ein positives Betriebsergebnis erreichen, sank dieser Anteil in 2013 auf nur noch 27 %.

Das Ergebnis der Umfrage lässt auch erkennen, dass das „Finanzhilfepaket“, das die alte Bundesregierung kurz vor Ablauf der letzten Legislaturperiode für die Krankenhäuser geschnürt hatte, seine Wirkung verfehlte. „Es kam leider so, wie wir vorhergesagt hatten“ kommentiert Hasenbein die Situation. „Mit dem Finanzhilfepaket wurde eine noch schlimmere Entwicklung verhindert, aber es löste die Probleme nicht“.

Die bayerischen Krankenhausmanager glauben aber an eine Besserung. Für 2014 rechnen etwas weniger Kliniken mit einem Defizit und mit Blick auf die nächsten 3 Jahre hofft die Mehrzahl auf eine Trendwende und weiter verbesserte Zahlen. Für Siegfried Hasenbein kommt damit die Hoffnung auf die von der neuen Bundesregierung angekündigte Krankenhausreform zum Ausdruck. Die Kliniken erwarten, dass damit die systematische Unterfinanzierung im Vergütungssystem ausgeräumt wird. Allerdings dämpft er die Erwartungen auf eine leichte Entspannung bereits im Jahr 2014: „Gesetzliche Maßnahmen werden so schnell nicht greifen, und außerdem gab es bei der Umfrage zu Jahresbeginn den Tarifabschluss im öffentlichen Dienst mit über 3 % Personalkostenanstieg noch nicht.“

Außer Frage stehe für ihn aber, dass bei einer Krankenhausreform die Finanzierungsprobleme gelöst werden müssen. Das Ziel der neuen Bundesregierung, für Qualitätsverbesserungen zu sorgen, unterstützen die Krankenhäuser, betonte Hasenbein. „Da werden wir aktiv mitarbeiten“, zur Forderung nach mehr Fachkräften sowie baulicher und apparativer Standards gehöre aber auch eine Klarstellung, wie dies zu finanzieren sei. „Nur immer zu fordern, ohne die Krankenhäuser auch zu fördern, geht nicht mehr“.

Dies geht auch klar aus der Umfrage hervor. Auf die Frage, welches Problem eine Krankenhausreform am dringendsten lösen müsse, gaben 71 % „eine bessere Finanzierung der Betriebskosten“ an. Doch auch bei der Finanzierung der Investitionen, für die der Freistaat Bayern aufkommen muss, sehen die Kliniken in Bayern Handlungsbedarf.

Fast zwei Drittel (62 %) der Krankenhäuser sehen eine Verbesserung als dringend notwendig.

Nach Ansicht der BKG muss die besorgniserregende wirtschaftliche Entwicklung der Kliniken jetzt gestoppt werden. Eine Große Koalition in Berlin bietet die Chance, um gemeinsam mit den Ländern die „offensichtlichen Fehlsteuerungen“ im Krankenhausbereich zu bereinigen.

Anstatt immer nur einen Teilaspekt öffentlichkeitswirksam herauszugreifen, muss eine Krankenhausreform aber die Krankenhausversorgung insgesamt im Blick haben und die drei großen Themenbereiche Finanzierung, Qualität und Versorgungsstrukturen in Einklang bringen.

Download Auswertung Bayerischer Krankenhaustrend 2013

TitelseiteBKT2013

 

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