Pressemitteilungen

Artikel weiterempfehlen

Artikel weiterempfehlen





24. September 2019

Krankenhäuser warten auf angekündigte Verbesserungen

Bayerns Kliniken kritisieren mangelndes Verständnis und überbordende Bürokratie

Die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG) kritisiert ein mangelndes Verständnis für die Krankenhäuser sowie eine fahrlässige Vereinfachung in der Diskussion um die aktuellen Probleme in der Krankenhausversorgung.

„Die Schwierigkeiten reichen vom Fachkräftemangel bis zu existenziellen Problemen, doch als Lösungsvorschläge bekommen die Krankenhäuser nur weitere Belastungen und Bürokratie auferlegt“ kritisierte BKG-Geschäftsführer Siegfried Hasenbein am Dienstag im Gespräch mit Pressevertretern in München.

Als Beispiel nannte er die Diskussion um die Frage, wie viele Krankenhäuser in Zukunft noch notwendig seien. „Selbsternannte Experten“ würden sich mit immer niedrigeren Zahlen überbieten, um die öffentliche Aufmerksamkeit zu erlangen. „Mit abwegigen Thesen wie 60 Krankenhäuser seien für Bayern ausreichend und der pauschalen Aussage, kleine Krankenhäuser würden schlechte Qualität liefern, leistet man keinen Beitrag zur Problemlösung, sondern zur Verunsicherung der Patienten“ ärgert sich Hasenbein.
Die Notwendigkeit eines Strukturwandels hält auch er für unbestreitbar, im Flächenland Bayern sei aber ein Netz aus Grundversorgung und spezialisierten Kompetenzzentren notwendig. Dazu bedarf es einer differenzierten Analyse der sehr unterschiedlichen Verhältnisse in den verschiedenen Regionen. Einflussfaktoren wie Bevölkerungsentwicklung, ambulante Versorgung und Verkehrsinfrastruktur müssten dabei berücksichtigt werden.

Von der staatlichen Krankenhausplanung erwartet sich der Vertreter der bayerischen Kliniken eine aktivere Rolle als Impulsgeber und Koordinator. So manches kleine Krankenhaus könnte in Zukunft eine attraktive Rolle als regionales Gesundheitszentrum mit ambulanter Versorgung und Leistungen in Pflege und Rehabilitation einnehmen.

Beim großen Thema Fachkräftemangel in der Pflege macht sich Ernüchterung in den Krankenhäusern breit. „Klangvolle Ankündigungen des Bundesgesundheitsministers einer vollen Finanzierung von Tarifsteigerungen und zusätzlichen Stellen in der Pflege gibt es reichlich, die Mitarbeiter in den Krankenhäusern warten aber immer noch darauf, dass die Verbesserungen bei ihnen ankommen“ moniert Hasenbein.

Mit der Verordnung über Pflegepersonaluntergrenzen bürde man den Pflegekräften eine immense Bürokratie auf und die Patienten hätten davon keinen Nutzen. Im Gegenteil, nachdem man nicht einmal Ausnahmen in Notfallsituationen zulässt, provoziere man Schließungen von Intensivbetten und Patientenabweisungen.

Die BKG fordert deshalb eine gesetzliche Initiative noch in diesem Jahr. Grundlage müsse dabei der Vorschlag von Deutscher Krankenhausgesellschaft (DKG), der Gewerkschaft ver.di und des Deutschen Pflegerats über ein System der Personalbedarfsermittlung in der Pflege sein. Diese „schon fast historische“ Konstellation, dass Krankenhausträger, Arbeitnehmer und die Vertreter der Pflege einen gemeinsamen Vorschlag unterbreiten, dürfe der Gesundheitsminister nicht ignorieren“, meint Hasenbein.

In dem Entwurf zur Reform der Notfallversorgung des Bundesgesundheitsministers sieht die BKG einige positive Ansätze. Die ambulante Notfallversorgung in sog. integrierten Notfallzentren (INZ) an den Krankenhäusern zu bündeln sowie den Sicherstellungsauftrag beim Bundesland, nennt Hasenbein mit Blick auf die Entwicklung der letzten Jahre folgerichtig. Entscheidend für eine gute Patientenversorgung sei eine funktionierende Kooperation von Klinik und niedergelassenen Ärzten vor Ort. Zusätzliche Bürokratie mit INZ als eigenständige Betriebe im Betrieb Krankenhaus seien dabei eher schädlich.


_________________________________________

Fotos vom Pressegespräch erhalten Sie bei Interesse honorarfrei per E-Mail.

Anlagen:
- Positionspapier zum Pressegespräch
- ausgewählte Zahlen zum Krankenhauswesen in Bayern
- Pressemitteilung als PDF-Datei

20190924_pk1

20190924_pk2

Kliniken finanzieren die künftigen Zuschläge selbst

  Krankenhausgesellschaft stellt falsche Interpretation klar

mehr

Krankenhäuser beklagen Kultur des Misstrauens

Bayerische Krankenhausgesellschaft fordert mehr Vertrauen und weniger bürokratische Vorschriften für die Kliniken

mehr

Pflegestärkungsgesetz kann nur ein Anfang sein

Bayerische Krankenhausgesellschaft mahnt weitere Schritte zur Verbesserung der Pflege an

mehr

Bayerische Krankenhäuser sehen Koalitionsvertrag mit gemischten Gefühlen

Krankenhausgesellschaft sieht Chancen, Versorgungsstrukturen weiterzuentwickeln, beklagt jedoch Stillstand bei der Investitionsfinanzierung

mehr

Bayerische Krankenhauslandschaft vor Umbruch

Verbesserung der Situation in der Pflege als zentrale Herausforderung mehr